{"id":10743,"date":"2015-06-26T09:38:50","date_gmt":"2015-06-26T09:38:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.societateamuzicala.ro\/societateaculturala\/?p=10743"},"modified":"2015-06-26T14:06:18","modified_gmt":"2015-06-26T14:06:18","slug":"die-schonsten-liebesbriefe-deutscher-musiker-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.societateamuzicala.ro\/societateaculturala\/die-schonsten-liebesbriefe-deutscher-musiker-iii","title":{"rendered":"Die sch\u00f6nsten Liebesbriefe deutscher Musiker (III)"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.societateamuzicala.ro\/societateaculturala\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Mahler-fotografia-de-familie-a-Luciei-Bujar.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"no-border alignright wp-image-10745 \" src=\"https:\/\/www.societateamuzicala.ro\/societateaculturala\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Mahler-fotografia-de-familie-a-Luciei-Bujar-665x1024.jpg\" alt=\"Mahler - fotografia de familie a Luciei Bujar\" width=\"286\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/www.societateamuzicala.ro\/societateaculturala\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Mahler-fotografia-de-familie-a-Luciei-Bujar.jpg 665w, https:\/\/www.societateamuzicala.ro\/societateaculturala\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Mahler-fotografia-de-familie-a-Luciei-Bujar-195x300.jpg 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/><\/a>Gustav Mahler<\/strong><\/p>\n<p>Mahler ist als Dirigent au\u00dferordentlich erfolgreich. Mit 37 Jahren bekleidet er die begehrtesten Posten der damaligen Musikwelt: den des Direktors der Wiener kaiserlich-k\u00f6niglichen Hofoper. Bis dahin hat er kaum Zeit f\u00fcr eine Frau gehabt. In Wien nun verliebt er sich in Alma Schindler, eine Frau mit viel Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Musik und Kunst im allgemeinen. Sie heiraten 1901 und bleiben bis zu Gustavs Tod ein gl\u00fcckliches Paar. Sp\u00e4ter wird Alma die geliebte von Oskar Kokoschka, 1915 heiratet sie Walter Gropius und wird, nachdem sie sich von dem Bauhausarchitekten getrennt hat, 1929 die Frau des Dichters Franz Werfel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Palast-Hotel, Berlin W., <\/em><em>Dezember 1901,<br \/>\nin gr\u00f6\u00dfer Eile!<\/em><\/p>\n<p>Mein teueres, liebes M\u00e4dchen!<\/p>\n<p>In einer schrecklichen Hetze zwischen Ankunft und erster Probe schnell innige Gr\u00fc\u00dfe und einen Schrei des Herzens nach Dir! Dein lieber Brief vom Sonntag war mein Reisebegleiter. Ich habe ihn studiert wie das Neue Testament. Er hat mich Vergangenheit und Zukunft gelehrt. Wenn ich dazu komme, so erz\u00e4hle ich Dir noch heute meinen Lebenslauf, vom Empfang Deines Briefes. (Der f\u00fcr mich eine Art &#8222;Hegyra&#8221; ist, von dem die Mohammedaner ihre Zeitrechnung beginnen.) Mein neues Leben hat auch da begonnen. Ich kann von jetzt ab nur im Hinblick auf Dich leben, atmen, sein.<\/p>\n<p>Ich dirigiere in Berlin selbst mein Werk. Oh, k\u00f6nntest Du dabei sein! Aber &#8211; so n\u00f6tig es andern ist, aus meinem Schaffen den Schl\u00fcssel zu meinem Sein zu gewinnen &#8211; Du, Du, meine Alma, wirst von mir ausgehend, aus der allumfassenden Gegenwart heraus, liebeshellsichtig, alles erfahren, Du-ich, ich-Du sein&#8230;<\/p>\n<p>Jetzt mu\u00df ich fort, zur Probe. Wenn die T\u00f6ne, die Schallwellen so viel Kraft h\u00e4tten als mein Liebesstreben nach Dir, so m\u00fc\u00dftest Du es heute den ganzen Vormittag klingen h\u00f6ren. Dir, f\u00fcr Dich soll es sein, alles, was in mir lebt!<\/p>\n<p>Meine geliebte Alma!<\/p>\n<p><em>Dein Gustav<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Palast-Hotel, Berlin W.,<\/em><em>Dezember 1901,<\/em><\/p>\n<p><em>Samstag nachmittag, da ich alle hinausgeschmissen,<br \/>\num mit Dir allein sein zu k\u00f6nnen<\/em><\/p>\n<p>Mein innigst geliebtes M\u00e4dchen!<\/p>\n<p>Wie sehns\u00fcchtig habe ich auf Deinen Brief gewartet! Nun ist er heute gekommen und hat mir einen so sch\u00f6nen, frohen Tag bereitet. Wenn Du meine Miene sehen k\u00f6nntest, mit der ich jetzt durch die stra\u00dfen Berlins gehe, so w\u00fc\u00dftest Du, wie ein Seliger aussieht. Alle Leute, glaube ich, sehen es mir vom Gesicht herab; denn (vielleicht bilde ich es mir nur ein) sie schauen mich alle so verwundert an. &#8211; Also eine kleine <em>Umkehrung <\/em>(das gef\u00e4llt Dir doch, Du Contrapunktikerin) vom Goethischen &#8222;\u00dcber meines Liebchens \u00c4uglein stehn verwundert alle Leute!&#8221; Da\u00df Du so bist, meine Alma, meine W\u00e4rme- und Lichtspenderin, habe ich geahnt, gehofft, aber nicht gewu\u00dft. &#8211; Da\u00df mir einmal im Leben ein solches Gl\u00fcck begegnen wird, geliebt zu sein, wie ich liebe, h\u00e4tte ich nicht mehr getr\u00e4umt. Wesen meinen Lebenspfad gekreuzt, habe ich unter Qualen es immer aufs neue erkennen m\u00fcssen, wie Tr\u00e4ume des Gl\u00fccks und die ungen\u00fcgende Wirklichkeit auseinanderfallen. Ich habe schon mir selbst die Schuld gegeben und im Innern v\u00f6llig resigniert.<\/p>\n<p>Du wei\u00dft ja selbst, Alma, wie es Dir ergangen ist, so jung Du noch bist, und wirst es mir nachf\u00fchlen k\u00f6nnen, wenn ich mit allen Regungen meines Herzens und meines Lebens nun aufs Innigste und in Seligkeit empfinde und auch sagen darf: Ich liebe zum ersten Male! Noch immer kann ich die Angst und die Sorge nicht loswerden, da\u00df ein so sch\u00f6ner, holder Traum zerrinnen k\u00f6nnte, und kann den Augenblick nicht erwarten, wo ich an Deinem Munde und aus Deinem Lebensatem die Sicherheit und die tiefste Bewu\u00dftheit saugen werde, da\u00df mein Lebensschiff aus den st\u00fcrmen des Meeres sich in den Heimathafen gerettet hat. &#8211; Ich f\u00fchle es, da\u00df wir uns mit unserem letzten Zusammensein erst wirklich nachgekommen sind und da\u00df wir uns, jetzt scheinbar getrennt, erst wirklich vereinigt haben.<\/p>\n<p>Siehst Du, mein Lieb, das habe ich alles aus Deinem letzten Brief herausgelesen. Warum, Alma, kannst Du nicht jetzt mit mir sein? Immer erinnere ich mich, wie Du mir einmal erz\u00e4hlt hast, wie gerne du reist. Ich glaube oft, Du bist bei mir, und spreche mit Dir und lese in Deinem Gesicht, wie Dir alles gef\u00e4llt, mit welcher Neugierde Du alles Neue und Unbekannte auf Dich einst\u00fcrmen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Wenn ich den s\u00fc\u00dfen Nachtisch bekomme, m\u00f6chte ich ihn Dir immer zuschieben, seitdem ich Deine Liebe f\u00fcr Kuchen und Fr\u00fcchte bemerkt habe (einst \u00fcbrigens auch meine schwache Seite). Alles hat wieder Wert f\u00fcr mich, wenn ich an Dich denke, was unaufh\u00f6rlich der Fall ist&#8230;<\/p>\n<p>Sei von mir gek\u00fc\u00dft, Du Teuere, und ahne, wie wonnevoll es ist, mich den <em>Deinen<\/em>\u00a0nennen zu d\u00fcrfen,<\/p>\n<p><em>Gustav<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>24 <em>Dezember 1901<\/em><\/p>\n<p>Meine Alma!<\/p>\n<p>Der erste Weihnachtsabend, zu dem ich Dir meine W\u00fcnsche sende, und zugleich der letzte; denn von nun an, mein geliebtes M\u00e4dchen, werden wir ihn zusammen verbringen. Wie wird es sein, Alma, wenn wir, bald hoffentlich, vereinigt, keine Mittelperson mehr n\u00f6tig haben werden? Wenn ich in mein Zimmer bin, sehe ich Dich schon neben mir walten. Wie eine Frucht kommt mir mein, unser Gl\u00fcck vor, das schnell greift unter der warmen Sonne einer vielleicht unbew\u00e4hrten, aber zukunftsfreudigen, vertrauenden Liebe uns vom Baume fallen soll. Heute an diesem Tag, der uns wie alle Menschen, auch ohne da\u00df wir voneinander gewu\u00dft, in fr\u00f6hlichen Kinderglauben vereinigte, der uns immer ein Symbol bleiben soll, da\u00df wir, auch vereinigt und gl\u00fccklich in unserer Liebe, unser Herz auch den anderen Menschen offenhalten sollen &#8211; den eine gro\u00dfe, \u00fcbermenschliche Liebe, die wir nur g\u00f6ttlich nennen k\u00f6nnen, hat ein Band um uns geschlungen, welches uns unaufl\u00f6slich mit allen Lebenden verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>An diesem Tag, der den Kindern geh\u00f6rt, in denen der Same irdischer wie g\u00f6ttlicher Liebe gleich Wurzel schl\u00e4gt; je nachdem ihn der S\u00e4mann wirft &#8211; segne ich Dich, mein geliebtes Leben. M\u00f6ge mein Leben dem deinen zum Segen werden, da\u00df Du \u00fcber unsere irdische Liebe hinaus und aus ihrem Wesen, welches heilig sein soll, die g\u00f6ttliche erkennen und die &#8222;unerforschliche still zu verehren&#8221; f\u00e4hig werdest! (Im wesentlichen kommt es nur darauf hinaus, da\u00df wir nie ganz gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen, solange es andere Ungl\u00fcckliche gibt.) Verstehe mich recht, meine Alma, da\u00df ich Dir heute nichts anderes zu sagen wei\u00df &#8211; vielleicht kannst Du an nichts so tief erkennen, wie unbegrenzt und heilig meine Liebe zu Dir ist, da\u00df ich jetzt &#8211; wo ich der Erf\u00fcllung meiner h\u00f6chsten W\u00fcnsche so nahe bin und mich so innig gl\u00fccklich f\u00fchle &#8211; mich und Dich \u00fcber uns hinausf\u00fchren m\u00f6chte ich in jene Regionen, wo wir der Ewigkeit und G\u00f6ttlichkeit einen Hauch sp\u00fcren. So m\u00f6chte ich Dein und sollst Du mein sein!<\/p>\n<p>Meine Einzige!<\/p>\n<p><em>Dein Gustav<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>M\u00fcnchen 1910<\/em><\/p>\n<p>Meine Geliebte!<\/p>\n<p>Da sitze ich schon wieder! Die Nachmittagsprobe ist vor\u00fcber &#8211; Schlu\u00dfszene* &#8211; jede Note an Diche gerichtet! Es hat mich so furchtbar aufgeregt, als ob ich wieder an Deinem Bett s\u00e4\u00dfe, wie damals in den entz\u00fcckenden Tagen, und spr\u00e4che zu Dir! Ach, wie herrlich ist es, zu lieben! Und jetzt wei\u00df ich, was es ist! Der Schmerz hat seine Gewalt und der Tod seinen Stachel verloren. Wie wahr sagt Tristan: &#8222;Ich bin unsterblich, denn wie k\u00f6nnte Tristans Liebe sterben?&#8221; Jetzt verbringe ich wieder einen ruhigen Abend &#8211; mir ist schon beinahe ganz gut. Ich habe mit Appetit gegessen und will ganz frisch sein wenn mein Schatz kommt. Immer denk ich an den Moment, &#8211; &#8222;Ist es wahr? hab ich Dich wieder? Kann ich es fassen? Endlich! Endlich!&#8221; Wenn ich nur w\u00fc\u00dfte, wann Du kommst! Morgen ist Dienstag, da wolltest Du doch kommen?&#8230; Dein heutiger Brief war so lieb und zum ersten Mal seit acht Wochen &#8211; eigentlich in meinem ganzen Leben &#8211; f\u00fchle ich dieses selige Gl\u00fcck, das einem die Liebe verleiht, wenn man von ganzer Seele liebt und sich wiedergeliebt wei\u00df. Ich habe es doch richtig getr\u00e4umt: &#8221; Ich starb der Welt, ich bin im Hafen!&#8221; Aber, Almschi, Du mu\u00dft es mir doch immer wieder sagen &#8211; denn morgen schon wei\u00df ich, glaub ich&#8217;s nicht mehr! Denn es ist ein &#8222;Gl\u00fcck ohne Ruh'&#8221;. Nun gute Nacht, meine Holde, S\u00fc\u00dfe &#8211; vielleicht lachst Du heute \u00fcber Deinen Gymnasiasten -, telegrafiere, wann Du kommst! Meine Geliebte &#8211;<\/p>\n<p><em>Dein Gustav<\/em><\/p>\n<p>* 8. Sinfonie Gustav Mahlers, deren Urauff\u00fchrung er in M\u00fcnchen leitete.<\/p>\n<div id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435154548712_3558\" class=\"yiv6241918587\" dir=\"ltr\"><span id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435304372134_5080\" class=\"yiv6241918587\"><span id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435304372134_5079\" class=\"yiv6241918587\"><span id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435304372134_5078\" style=\"color: #808080;\"><i id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435304372134_5077\">Die Briefe sind zum Teil gek\u00fcrzt. Die Orthographie wurde behutsam modernisiert.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435154548712_3558\" class=\"yiv6241918587\" dir=\"ltr\"><span id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435304372134_5147\" class=\"yiv6241918587\"><span id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435304372134_5146\" class=\"yiv6241918587\"><span id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435304372134_5145\" style=\"color: #808080;\"><i id=\"yiv6241918587yui_3_16_0_1_1435304372134_5144\">Herausgegeben von Anton Friedrich und Silvia Sager.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gustav Mahler Mahler ist als Dirigent au\u00dferordentlich erfolgreich. Mit 37 Jahren bekleidet er die begehrtesten Posten der damaligen Musikwelt: den des Direktors der Wiener kaiserlich-k\u00f6niglichen Hofoper. Bis dahin hat er kaum Zeit f\u00fcr eine Frau gehabt. 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